Das kleine Heurigen-ABC

 

Abstrich: Traditionelles Verfahren, den geklärten Wein vom Bodensatz oder Gelänger vom Fass abzuziehen.

Achte(r)l: 0,125 Liter Wein. Im Stehen zu sich genommen heißt es „Steh-Achterl“, wenn man gehen will und sich doch nicht losreißen kann „Flucht-Achterl“.

„Alter“, Altwein: Wenn nah dem 11. November („Martini“) der neue, junge Wein angeboten wird, ist der im Jahr davor gelesene Wein der „alte“, der alte Wein.

„Altl“: Ausdruck für Altersgeschmack (Firn)

Ampelographie: Rebensortenkunde

Anreicherung: Der vergärbare Zucker im Traubensaft/Most wird erhöht, um den Alkoholgehalt zu steigern

Apfelsäure: Eine der beiden wichtigsten organischen Säuren in Trauben und Wein. Ein hoher Anteil Apfelsäure verleiht dem wein eine frische manchmal aber auch eine etwas unreife Note.

Auge: Knospe

Ausbau: Zusammenfassung aller Kellerarbeiten von der Gärung bis zur Abfüllung

„Ausg’steckt“, Ausg’steckt is: Die periodische Öffnung eines Weinausschankes. Das heißt, der Weinhauer verkauft von Zeit zu Zeit (jeweils ca. 2 Wochen lang) in seinem Lokal seine Weine. Er zeigt dies durch einen Föhrenbuschen (Reisigkranz, Strohstern, usw.) an, den er an einer Stange befestigt und vor sein Haustor hängt. Daraus erklären sich die Begriffe „…ausg’steckt is“ und „Buschenschank“. Im Volksmund hat der Weinhauer, für die Zeit seines Weinausschankes den „Heurigen“.

Bacchus: Römischer Name des Weingottes, griechisch Dionysos oder Bacchos

Banderole: Jede Flasche, mit Ausnahme von Tafel- und Landwein, muss nach der Weingesetznovelle con 1995 mit einer streifen- oder kreisförmigen Banderole versehen sein. Diese dient der Mengenregistrierung und muss beim Öffnen der Flasche automatisch zerstört werden.

Barrique: Kleines Eichenfass

Bernsteinsäure: in geringem Umfang im Wein vorhandene Säure, die zu einem frischen, herben Geschmack beiträgt.

Bitterl: zart-bitterer Weingeschmack

Bouteille: 0,75 oder 0,7 l Flasche

Buschen: zeigt an, dass bei diesem Weinhauer Eigenbauwein beim „Heurigen“ ausgeschenkt werden. Es gibt verschiedene Buschenformen:

  • Grünzeichen: Wipfel (bändergeschmücktes Bäumchen), grüner Kranz, grüner Buschen 
  • Stroh- und Holzzeichen: Strohkranz (Strohscheibe, Strohsonne), Strohschab und Strohriegel (Strohbündel), Strohzopf, Ampel aus Stroh, geringelte Holzscharten und (schon abgekommen) hölzerner Sechsstern)

Buschenschank: andere Bezeichnung für den „Heurigen“

Doppler: traditionelle Flaschenform, „Magnum des kleinen Mannes“ oder „Österreich-Magnum“, - Flasche mit 2 Liter Inhalt.

Elfer-Messe, „in die Elfer-Messe gehen“: Besuch eines Heurigen, der am Sonntagvormittag, nach der hl. Messe schon geöffnet hat.

Essen:

  • Blunz'n: Blutwurst
  • Bratlfett'n: Bratenfett vom Schweinebraten (Brotaufstrich)
  • Bratenes: Schweinebraten
  • G'selchtes: geräuchertes Schweinefleisch
  • Fleischlaberln: Buletten, Frikadellen, (auch: faschierte Laibchen)
  • Erdäpfelsalat: Kartoffelsalat
  • Grammeln: Grieben
  • Knofelschmalzbrot: Schmalzbrot mit Knoblauch (typ. Heurigenspeise)
  • Stelze: Schweinshaxn
  • Topfen: Quark

Ganztraubenpressung: Art des Vergärens, bei der auf das Abbeeren („Rebeln“) der Traube verzichtet wird. Bei der Weißweinproduktion in Österreich in den letzten Jahren vermehrt eingesetzt.

Gemischter Satz (G’mischter Satz): Wein aus verschiedenen Rebsorten, die zusammen in einem Weingarten stehen und gemeinsam gelesen und verarbeitet werden.

Geschein: Blüte der Weinrebe

G’spritzer: Wein 1:1 mit Soda- oder Mineralwasser gemischt.

„Gleich Presster“: Weiß- oder Rosewein (aus blauen Trauben), Rotwein erhält seine Farbe aus den Schalen der blauen Traube. Werden die blauen Trauben sofort vorsichtig gepresst, erhält man Weißwein oder Rosewein.

Großheuriger: gemeinsames Ausstecken der Weinhauer/Winzer an einem bestimmten Platz (Straße, Gasse, Keller, Festplatz, Saal).

Hanglage: „Bacchus amat colles“ - Bacchus liebt die Hügel - heißt es schon im alten Rom. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Hauer: Weinhauer, Winzer; abgeleitet von der Haue, mit der der Weingarten bearbeitet wird.

Hefen: Unterschieden wird zwischen Reinzuchthefen und Naturhefen

Heuriger: Das Wort hat zwei Bedeutungen: Der Heurige (heuriger Wein) ist der Wein des letzten Jahres (der letzten Weinlese). Der „Heurige“ ist aber auch der Buschenschank, bei dem der Weinhauer seinen heurigen Wein („…ausg’steckt ist“) ausschenkt. Am Festtag des hl. Martin (11. November) wir der Wein der letzten Lese zum ersten Mal ausgeschenkt (in vielen Orten findet dabei die „Weintaufe“ statt) der Wein des vorangegangenen Jahrganges ist nun der „Alte“ (der alte Wein).

Hiatabam (Hüterbaum): In der Zeit vor der Weinlese werden die reifenden Trauben von Weinhütern („Hiatern“) bewacht. Die „Hiatabam“ sind das weithin sichtbare Zeichen des Beginns der Zeit der Überwachung.

Hochkultur: Erziehungsform der Rebstöcke, die in abständen von 3 – 3,5 m gepflanzt und mit 120-140 cm hohen Stämmen auf Drähten hochgezogen werden. Vorteile: leichte maschinelle Bearbeitung, höhere Erträge, geringer Frostgefahr. Nachteile: zu hohe Erträge mindern die Qualität. Dem begegnet man mit „ausdünnen“ (reduzieren der Trauben nach der Blüte). Hochkulturen sind für die eine oder andere Rebsorte nicht besonders vorteilhaft.
Ein erster Versuchsweingarten mit Hochkultur wurde von Lenz Moser bereits 1923 angelegt. Seit Ende der 50er Jahre setzte sich die Hochkultur in allen Weinbauregionen Österreichs durch. Robert Schlumberger legte bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in seinem Weingut „Goldeck“ in Vöslau einen Weingraten mit Drahtrahmenkultur (der Hochkultur ähnlich) an. Der Versuch schlug fehl, weil während eines Gewitters Blitze die Drähte trafen und Blätter und Trauben daraufhin violett wurden.

Holz: Junges Gebinde-Holz (1-2 jähriges) gibt Geschmack in den Wein ab (z.B. Vanille).

Irxen (Geizer, Geizrebe, Geiztrauben): Trauben von Seitentrieben, die meist grün bleiben. Selten wird daraus „Irxenwein“ erzeugt.

Johannessegen: Ein leider schon fast vergessener Brauch, dem ersten und dem letzten Heurigengast ein Glas Wein kostenlos zu kredenzen.

Kaisermischung: Wein-Apfelsaftmischung; Oststeiermark

Keltern: Pressen der „gerebelten“ Trauben.

Kellergasse: Wenn in einem Weinort die Weinkeller nicht im Haus, sondern meist am Rand des Dorfes einer neben dem anderen angelegt sind, spricht man von einer Kellergasse.

Kellergassenfest: Fest in einer Kellergasse verbunden mit einem „Tag der offenen Kellertüren“, meist auch mit einem Umzug und einer Weinkost.

Korkgeschmack: Ein Weinfehler („Der Wein stoppelt!“, „Der Wein korkt!“), der auf den Korken zurückzuführen ist, nicht aber auf den jeweiligen Winzer! Der unangenehme Beigeschmack macht sich als muffiger, schimmelähnlicher, chemischer Ton bemerkbar.

Koscher. Ein Wein, der nach genauen Vorschriften erzeugt wird, damit auch strenggläubige Juden auf ihn nicht verzichten müssen. Koscher = genießbar.

Kreuzung: Zwei Rebsorten werden miteinander gekreuzt, um Vorteile (z.B. Frühreife) beider Sorten in einer zu vereinigen (z.B. Müller-Thurgau).

Kristalle: Kristallablagerungen, überschüssige Weinsäure im Wein; ist kein Merkmal für einen Weinfehler.

Leicht: Der Weinverkoster nennt einen in Alkohol schwachen Wein leicht.

Mischung: Getränk aus Wein und Mineralwasser (Steiermark)

Pfefferl: Pfeffergeschmack im Abgang. Kommt vor allem bei der Sorte Grüner Veltliner vor.

Rebeln (Abbeeren): Das Entfernen der Traubenstiele vor der Gärung.

Reifenbeisser: Spöttische Altwiener Bezeichnung für weine mit sehr hohem Säuregehalt.

Resch: Geschmacksausdruck für säurebetonte, trockene, frische und rassige Weine.

Sauser: Anderer Ausdruck für Sturm

„Schmeckerter“: Stark aromabetonter Wein (Muskateller, Muskat-Ottonel)

Schweif: Abgang

Schwips: Beginnende Trunkenheit

Spezi: Besonderer = spezieller Wein beim Heurigen, meist reinsortig

Staubiger: Junger, noch trüber Wein

Stifterl: Weinflasche mit 0,375 lt Inhalt (meistens für hohe Prädikatsweine; bei trockenem Wein manchmal für Flaschen mit 0,25 Liter)

Stoppel: Kork; wenn ein Wein „stoppelt“, hat er Korkgeschmack

Sturm (Federweisser): Trüber Traubenmost während der Gärung – vielleicht nach der möglichen Wirkung auf die Verdauung so benannt. Ein alter österreichischer Ausdruck dafür ist auch „Darmputzer“.

„Tschechern“: Viel und schnell trinken

Weinheber: Gerät, um Wein aus dem Fass zu entnehmen

Weintaufe: Segnung des neuen Weines durch den (Orts-)Pfarrer und Namensgebung durch einen – meist prominenten – Paten.

Zucker: Restzucker, wird auf Etiketten in Gramm/Liter angegeben.

Zuckerhütl: Geschmacklich wahrnehmbarerer Zuckerrest im Wein.